Auf Erkundungstour im Überetsch

Wie eine E-Bike-Tour zu ihrem Namen kommt

Als Frau Dissertori auf uns zu kommt und uns einen Tourenvorschlag für den folgenden Tag unterbreiten möchte, haben wir die Rotweinflasche Kalterersee Pfarrhof, einen meiner Rotwein-Favoriten bei lauen Sommernächten, beinahe schon geleert. „Ihr seid ja das ganze Jahr über mit den E-Bikes unterwegs. Ich habe hier einen neuen Routenvorschlag bekommen – Lust, morgen diese Runde zu testen?“, fragt uns die Gastgeberin und wirft, auf unser „Klar, gerne!“ hin, einen Blick Richtung Rotweinflasche. „Da müsst ihr aber früh aus den Federn. Ihr werdet es sicher nicht bereuen!“, und schon verschwindet Frau Dissertori wieder hinter der Theke der Rezeption, wo spät abends noch das Telefon läutet.

Ein guter Bike-Day beginnt mit einem guten Frühstück

So kommt es, dass wir tags darauf um 7:15 Uhr auf der Frühstücksterrasse. Die meisten Gäste sind noch in ihren Zimmern und der See im Hintergrund wartet in einer schweigsam anmutenden Stille auf die Badegäste, die in den nächsten Stunden das kühle Nass genießen werden. Wir nicht, so viel steht jetzt fest, denn auf uns warten knapp 30 Kilometer und 500 Höhenmeter Radtour. Aber: Eiweiße, Kohlenhydrate und Vitamine – das Buffet bietet alles und auch noch mehr für einen kraftvollen Start in unseren E-Bike-Day!

Weinhänge und Wälder im Wechselspiel

Wir folgen dem GPX-Track dieser neuen Route und kurven gemütlich von den Fischerhäuseln Richtung Klughammer zum Ostufer des Kalterer Sees. Unsere Akkus sind voll geladen und über leicht hügeliges Gelände verlassen wir nördlich des Kalterer Sees die Weinhänge und biegen rechts ab in den Montiggler Wald. Der Wald spendet eine angenehme Kühle an diesem warmen Sommertag und nach einigen Serpentinen und einem kurzen, aber knackigem Anstieg erreichen wir das malerische Kleinstdorf Montiggl. Beim Brunnen vor dem Kirchlein füllen wir unsere Wasserflaschen auf und genießen einige Momente lang die Kraft der Entschleunigung, die dieser Ort ausstrahlt.

Von Dorf zu Dorf im Überetsch

Der Track führt uns weiter durch den Montiggler Wald über einen ausgewiesenen Radweg nach Girlan, vorbei am DFB-Trainingslager in der Sportzone Rungg. Obwohl dieser Streckenabschnitt nicht asphaltiert ist, können wir auch mit unserem Trekking-Reifen-Profil zügig durch die Wälder cruisen. Im Weindorf Girlan gönnen wir uns eine Espresso-Pause, bevor wir im Zick-zack-Muster durch die Gassen des Dörfchens fahren, um Eindrücke und Bilder zu sammeln. Wir radeln weiter Richtung St. Michael und laut Tacho haben wir jetzt schon knapp die Hälfte der Tour hinter uns. Ab hier führt uns die Route über eine leichte Steigung weiter nach Oberplanitzing, doch die 100 Meter Höhenunterschied nehmen wir eigentlich gar nicht wahr – unsere Aufmerksamkeit gehört voll und ganz den herrschaftlichen Ansitzen und friedvollen Bauernhöfen, die in der Gegend rund um Pigenò aus der Landschaft hervortreten.

Die Toskana Südtirols

Von Oberplanitzing Richtung Kaltern rauschen wir fast dahin, denn das leichte Gefälle bringt erfrischenden Fahrtwind in unsere Gesichter. Über kleine Seitenstraßen schlängeln wir uns durch die pittoresken Fraktionen der Gemeinde Kaltern, bis wir schließlich in die Abfahrt zum Kalterer See einbiegen. Eine schmale Straße führt uns durch die Weinhänge von Barleit und wer schon mal in der Toskana war, dem kommt dieses Landschaftsbild sicherlich vertraut vor. Reben, kleine Steinmauern, Olivenbäume und Zypressen begleiten uns auf diesen letzen Kilometern. Mein Rotweinliebling, der Kalterer See Pfarrhof, müsste auch hier in Barleit gedeihen.

Wieder im Thalhof angekommen, steht das Nachmittagsprogramm auf jeden Fall fest, denn ein Sprung in den See ist das, was wir nach der Radtour und bei diesen Temperaturen brauchen! Als wir unsere geliehenen E-Bikes in der Hotelgarage abgestellt haben und Richtung Zimmer gehen, treffen wir auf Frau Dissertori. „Hat euch die neue Route gefallen? Und apropos … sie hat noch keinen Namen – falls euch einer einfällt, lasst es mich wissen!“, und schon verschwindet die charismatische Hotelierin in die Küche. „Überetscher-Dörferrunde“ schießt mir durch den Kopf. Mal schauen, was Frau Dissertori davon hält.



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